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Der Hamburger Fischmarkt beginnt dann, wenn andere gerade ins Bett gehen – und genau das macht ihn so besonders. Warum sich das frühe Aufstehen lohnt, ob Fischbrötchen wirklich als Frühstück durchgehen und warum der Kaffee dort mit ganz eigenen Vibes daherkommt, verraten wir euch hier.



Der Hamburger Fischmarkt stand bei uns lange auf der Liste – und gleichzeitig auch mit einem kleinen Fragezeichen dahinter. Eine der bekanntesten Hamburg Sehenswürdigkeiten, eine echte Hansestadt-Institution – aber ist der berühmte Hamburger Fischmarkt wirklich noch ein authentisches Hamburg-Erlebnis, das man einmal gesehen haben muss, oder am Ende doch eher eine Show für Touristen?
Vor unserem ersten Besuch hatten wir genau die Fragen im Kopf, die sich wahrscheinlich jeder stellt, der zum ersten Mal auf den Hamburger Fischmarkt geht:
Lohnt sich der Hamburger Fischmarkt wirklich – oder ist er überbewertet?
Wann sollte man dort sein, um die typische Stimmung mitzunehmen?
Genau mit diesen Fragen sind wir dann auch losgezogen. Und haben nun zum Glück ein paar Antworten für euch mit an Bord. In diesem Artikel nehmen wir euch einfach direkt mit zu unserem ersten Besuch auf dem Hamburger Fischmarkt – und verraten euch die kleinen Details, Überraschungen und Aha-Momente, die diesen Besuch für uns am Ende wirklich besonders gemacht haben.
Für unseren Besuch auf dem Hamburger Fischmarkt stehen wir extra früh auf – und ja, das kostet kurz Überwindung. Offiziell öffnet der Hamburger Fischmarkt im Sommer um 5:00 Uhr und läuft bis etwa 9:30 Uhr.
In dieser Zeit wird alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist: von Obst und Gemüse über Fleisch- und Wurstwaren bis hin zu Souvenirs, Kuriositäten und sogar lebenden Tieren. Der Hamburger Fischmarkt hat also deutlich mehr zu bieten als nur Fisch – der Name ist Programm, erzählt aber längst nicht die ganze Geschichte.
Dass es hier so früh losgeht, hat übrigens Tradition: Früher mussten alle wichtigen Geschäfte erledigt sein, bevor der Sonntagsgottesdienst begann. Wer also die frischeste Ware wollte, musste entsprechend früh da sein – daran hat sich bis heute nichts geändert.
Unser Tipp: Früh aufstehen lohnt sich hier wirklich. Wer früh kommt, ist mittendrin und hat noch Gelegenheit für einen echten Schnack mit den Händlern – später wird es schnell voller und natürlich deutlich touristischer.
Mittlerweile hat sich rund um den Hamburger Fischmarkt eine ganz eigene Tradition etabliert: Wer es richtig machen will, feiert die Nacht von Samstag auf Sonntag durch und pilgert direkt von der Reeperbahn zum Fischmark. Und dort ist die Party offenbar auch noch lange nicht zu Ende.
Als wir gegen 5:30 Uhr ankommen, ist die Party in der Fischauktionshalle noch in vollem Gange. Musik, Bier, gute Laune – eher Club als Markt. Genau dieser Übergang zwischen Nacht und Morgen ist es, der den Fischmarkt so besonders macht.
Draußen sammeln sich die ersten Grüppchen an den Imbissständen und holen sich das, was man um diese Uhrzeit offenbar braucht: Fischbrötchen. Offenbar genau das Richtige nach einer durchzechten Nacht auf der Reeperbahn.
Wer den Fischmarkt so erlebt, bekommt nicht nur einen Marktbesuch, sondern einen ziemlich eigenwilligen Mix aus Nachtleben, Streetfood und Hafenflair –und die Erkenntnis: Ein Fischbrötchen zum Frühstück ist hier die logischste Entscheidung des Tages.
Zu Beginn unserer Fischmarkt-Tour steht uns erstmal der Sinn nach Kaffee – die Frage ist nur: Wo gibt es auf dem Fischmarkt eigentlich den besten Kaffee? Die Antwort ist zum Glück schnell gefunden:
Unweit der Auktionshalle entdecken wir schon die nächste Traube aus Nachtschwärmern und Frühaufstehern, die sich singend und tanzend um einen kleinen Kaffeeanhänger versammelt hat, aus dem laute Reggae-Musik dröhnt. Mittendrin steht ein hochgewachsener Mann mit Rasta-Frisur, bereitet Kaffee zu und wippt selbst im Takt zu „Positive Vibration“ von Bob Marley.
„Lecker, lecker“, ruft er im Takt der Musik und preist seinen Kaffee an. Der auf den ersten Blick unscheinbare Kaffeewagen mitten auf dem Hamburger Fischmarkt ist die ganz persönliche Party-Bühne von Barista Jessy Greaves.
Mit seiner unkonventionellen Art sorgt der sympathische „Rasta-Barista“, der ursprünglich aus Barbados stammt, für genau die richtige Stimmung an diesem Sonntagmorgen: „Wie willst du deinen Kaffe, Baby?“, fragt er mich mit einem verschmitzten Grinsen: „Schwarz wie ich oder weiß wie du?“
Seine Sprüche kommen an. Bei den weiblichen Kundinnen charmant, bei den männlichen Gästen kumpelhaft – und immer mit einem Augenzwinkern: „Hier, Buddy – aber Vorsicht, it’s hot! Wie die Schnecke neben dir!“. Mit so viel Entertainment und Karibik-Vibes hätten wir so früh am Morgen wirklich nicht gerechnet. Da merkt man mal wieder, dass wir ziemliche Hamburg-Anfänger sind.
Jessys Kaffee schmeckt an der Uferpromenade am Rande des Fischmarkts gleich nochmal besser. Vor uns ziehen die Schiffe vorbei, die so früh am Morgen längst wieder geschäftig ihre Routen abfahren. Über dem Markt kreisen die Möwen und warten geduldig auf ihre Gelegenheit – die wissen schon ganz genau, wo es etwas zu holen gibt.
Mit dem Kaffee in der Hand und Reggae noch im Ohr fühlt sich das hier so früh am Morgen für einen Moment weniger nach Hamburg und Elbufer an – eher nach Kaffee auf Hawaii. Danke, Jessy!
Allmählich wird es voller auf dem Hamburger Fischmarkt – und mit jedem neuen Schwung an Besuchern legen auch die Händler nochmal eine Schippe drauf. Die Rufe fliegen nur so über den Platz. Schnäppchenjäger und Schaulustige drängen sich dicht an die Stände und lassen sich bereitwillig die unterschiedlichsten Waren andrehen. Die extra flotten Sprüche der Marktschreier gibt es natürlich gratis oben drauf.:
„Ihr seid auf dem Fischmarkt und kauft Obst, oder was?“, tönt es aus einer Fischbude quer über den Platz. Der Spruch gilt zwei Mädels, die kichernd mit großen Flechtkörben, prall gefüllt mit Obst, vorbeischlendern. Aus der nächsten Ecke meldet sich auch schon Nudel-Olli, der seine roten Tüten randvoll mit Pasta hochhält: „Hey, nicht weglaufen, ich brauche euer Geld!“
Ein ziemlich verrücktes Spektakel, das hier geboten wird. Die Ware geht im Sekundentakt, tüten- und kiloweise über die Theken – oder fliegt gerne auch mal direkt über unsere Köpfe hinweg ins Publikum. Typisch Fischmarkt eben. Alles ist besonders gut, besonders günstig und natürlich nur heute zum Super-Sonderpreis.
Die Taktik geht auf. Auch wir lassen uns zwischen den Verkaufsständen hin und her treiben – immer dorthin, wo gerade am lautesten geschrien wird. Zum Glück sind wir mit dem Zug nach Hamburg gereist – 10 Kilo Pasta in der Tüte oder eine Orchidee aus Holland hätten unseren Gepäckrahmen dann doch irgendwie gesprengt.
Mittlerweile knurrt auch uns der Magen. Kurz überlegen wir noch, ob wir wirklich so früh am Morgen schon ein Fischbrötchen essen können. Selbst das bayerische Weißwurstfrühstück findet im Vergleich dazu fast schon spät statt – zumindest nach bayerischen Maßstäben.
Aber wegen der Fischbrötchen sind wir ja schließlich hier. Also steuern wir einen der zahlreichen Stände an. In den Auslagen liegen die belegten Brötchen mit Krabben, Lachs, Aal und Hering bereits griffbereit. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Also, Augen zu und reinbeißen – oder wie man hier sagt: Nicht lang schnacken – Kopp in Nacken.
Und ganz ehrlich: Wir wissen bis heute nicht, ob es an der besonderen Atmosphäre lag – aber unser Krabbenbrötchen war einfach verdammt gut. Der Blick auf die Elbe, eine leichte Brise, das Stimmengewirr und die Sprüche der Marktschreier – in so einem Fischbrötchen steckt am Ende doch mehr, als man denkt.
Auch die voll gepackten Obst- und Gemüsekörbe auf dem Hamburger Fischmarkt sind ein echter Blickfang. So viele Vitamine bekommt man selten so hübsch verpackt. Die bunten Weidekörbe mit Hamburg-Aufdruck sind außerdem ein nettes kleines Souvenir – es muss ja nicht immer ein Strauß Blumen sein, oder? So ein hübscher Korb voller Gemüse würde uns als Hamburg-Mitbringsel auf jeden Fall Freude machen.
So ein Korb voller Gemüse ist für einen Städtetrip durch Hamburg dann aber doch eher unpraktisch – vor allem, wenn noch einiges an Hamburg-Sightseeing auf dem Plan steht. Dafür lachen uns die leuchtenden Blaubeeren so an, dass wir kurzerhand noch eine Schale für unterwegs zum Naschen mitnehmen.
So neigt sich unser Besuch auf dem Hamburger Fischmarkt langsam dem Ende zu. Für uns geht es im Anschluss an unseren Bummel direkt weiter – mit der Fähre nach Blankenese, die uns direkt ins berühmte Treppenviertel Hamburgs bringt.
Unser erster Besuch auf dem Hamburger Fischmarkt war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Auch wenn sich hier mittlerweile viele Touristen tummeln (da sind wir keine Ausnahme), herrscht auf dem berühmtesten Markt Hamburgs eine ganz eigene Stimmung, die ihr unbedingt erlebt haben solltet.
Ein bisschen bereut haben wir, dass wir unsere Partynacht auf der Reeperbahn nicht auf den Samstag gelegt hatten. Die vielen gut gelaunten Reeperbahn-Pilger bringen genau die richtige Energie mit und machen diesen frühen Sonntagmorgen auf dem Hamburger Fischmarkt erst so besonders. Es ist diese kurze Zeit zwischen Nacht und Tag, in der der Fischmarkt Hamburg seine ganz eigene Magie entfaltet – bevor es kurz darauf spürbar voller wird.
Daher unser Tipp: Nutzt die Gelegenheit und verbindet diese beiden Hamburg-Must-Dos – Reeperbahn und Fischmarkt – um diesen ganz besonderen Moment am frühen Morgen in Hamburg voll auszukosten.
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